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Serie die Finanzkrise: 1. Runde 2. Die Grenzen des Marktes

Norbert Nelte
Der Kapitalismus ist davon abhängig, dass er sich ständig ausweitet. Die Produktionsweise mit der Konkurrenz zwingt die einzelnen Betriebe dazu, permanent zu rationalisieren, halten sie einmal damit inne, werden die Konkurrenzbetriebe sie überholen und zu guter Letzt vom Markt werfen.
Wenn aber mit einer Maschine rationalisiert wird, werden auch Arbeiter entlassen, damit die Maschine sich bezahlt macht; oder der Absatz ausgeweitet, damit die freiwerden Arbeiter beschäftigt werden können. Es wird weltweit jedes Jahr um 3,3% rationalisiert. Deshalb müsste der Absatz auch um 3,3% ausgeweitet werden, sollte es nicht mehr Arbeitslose geben. Deshalb spricht der IWF auch bei einem Land von einer Schrumpfung, wenn das Wirtschaftswachstum unter 3,3% bleibt. Ein wirkliches Wirtschaftswachstum fängt demnach erst bei 3,3% an.
Nun gibt es zwei Möglichkeiten, wie der Absatzmarkt sich ausweiten kann, den inneren und den äußeren Markt.
Die innere Marktausweitung wird durch neue Massenwaren erreicht. Als nach dem 2. Weltkrieg die Arbeiter sich Kühlschrank und Waschmaschine zulegten, gab es soviel Beschäftigung, dass die Arbeiter sich auch das Auto anschaffen konnten. Mit der zusätzlichen Nachfrage konnte 1950 eine Zuwachsrate von fast 10% erreicht werden. Der Koreakrieg 1953 hat dann durch die zusätzliche Nachfrage in den vereinigten Staaten die Zuwachsrate auf 12,0 hochgetrieben, die dortige war mit der Waffenproduktion beschäftigt. Das brachte schon immer bessere Profite.
Es ist also mit China nichts besonderes, wenn sie aus dem Nichts mit 10% Wachstum anfingen. So fing das weltweit bei allen an und China ist eben die letzte Nation, die kapitalisiert wurde.
Aber 2010 hat niemand mehr Geld für die weiteren Bedürfnisse. Es gibt ja schon bezahlbare und gute Elektroautos, aber sie werden kaum gekauft, weil niemand mehr Geld dafür hat.
Und viel ausschlaggebender ist, dass das Kapital nicht mehr investiert, da die Investitionen sich nicht mehr lohnen, wenn die Nachfrage ausbleibt. Als 2009 das Bruttoinlandprodukt um 5% einbrach, brach besonders der Maschinenbau nicht nur in Deutschland um 50% und die Investitionsgüterindustrie um 23% ein.
Karl Marx ging im „Kapital“ bei der Untersuchung der erweiterten Reproduktion aber davon aus, dass die Waren, die weltweit in der kapitalistischen Wirtschaft hergestellt werden, auch immer ihre Käufer finden werden. Bei der rechnerischen Darstellung (Tabelle 1) der erweiterten Reproduktion strebt die Tendenz der Profitrate gegen 20% (2. Band, Kapitel 21, S. 505), ganz im Widerspruch zu Kapitel 13 im 3. Band (Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate), wo die Profitrate gegen Null strebt, eine unglückliche Abstraktion.
Dies ist auch der Grund der Kritik an Rosa Luxemburg (dazu später) Ihr Biograph, Paul Frölich, schrieb: »Verschiedene der Kritiker, und besonders Bucharin, glaubten, einen wirksamen Trumpf gegen Rosa Luxemburg auszuspielen, indem sie auf die gewaltigen Möglichkeiten der kapitalistischen Ausbreitung in den nichtkapitalistischen Raum hinwiesen.“ (Paul Frölich; "Rosa Luxemburg, Gedanke und Tat", Frankfurt 1967, S. 198)
Diese Diskussion hält heute noch an, wobei 2010 alle linken auch revolutionären Organisationen schon davon ausgehen, dass diese Krise zwar ganz tiefgehend sein wird, aber dass der Kapitalismus sich letztlich wieder fangen wird. Damit signalisieren sie aber leider allen Arbeitern, dass die Kürzungen nicht allzu tragisch seien, da es ja wieder aufwärts gehen wird und dann der Arbeiter auch wieder mit einem besseren Lohn rechnen könne.
Tragischer Irrtum. Denn diese Annahme stimmt aber nur für den aufsteigenden Kapitalismus. Im Abstieg werden die Konzerne, wie es 2009 sich eben bewiesen hat, ihre Investitionen zurückhalten und die Gewinne nicht wieder in den Wirtschaftskreislauf wieder zurückgeben, sondern im Paralelluniversum als Derivat oder CDS verschwinden lassen. Diese Wettgeschäfte gab es noch nicht zu Marx’ Zeiten, diese windigen Kapitalzockereien gab es rst nach dem 1. Weltkrieg und blähten ihren 36mal größeren Umfang erst nach 1980 auf.
Diese Investitionszurückhaltung wird erst recht mit den Wirtschaftseinbrüchen weiter gehen. Europa- und weltweit wurde bei den Arbeitern bzw. den Konsumenten massenhaft gekürzt, das gibt doch einen Binnenmarkteinbruch sondergleichen Das kennen wir doch von 1929. Da gab es auch Kurzarbeitergeld und Kürzungen. Und das Ergebnis? Die Wirtschaft brach in 3 Jahren um 30% ein und letztlich wurde der Weltkrieg vom Zaun gebrochen, damit die Nachfrage nach Rüstungsgütern die Prosperität wiederbringen kann.
Rosa Luxemburg ging in ihrem Werk „Die Akkumulation des Kapitals) von 1913 schon von einer Grenze des Marktes aus. Paul Frölich führt das Zitat mit der Kritik von Bucharin weiter aus “Die Schöpferin der Akkumulationstheorie hat diesem Argument bereits die Spitze abgebrochen durch die wiederholte Betonung, der Kapitalismus müsse in Todeszuckungen geraten, längst bevor die ihm immanente Tendenz auf Erweiterung des Marktes auf die objektive Schranke gestoßen sei,« (Paul Frölich: "Rosa Luxemburg, Gedanke und Tat", Frankfurt 1967, S. 198).
Wie die Faktenlage jetzt schon belegt, sind die jetzigen wirtschaftlichen Krämpfe auch die Todeszuckungen des kapitalistischen Systems. Es verläuft doch alles bis jetzt genau wie 1929. Nach einem Finanzdesaster bricht die Wirtschaft erst um 5% ein, dann gibt es Kurzarbeit und Lohnklau, europa- und weltweit, daraufhin wird die Wirtschaft erneut abstürzen usw.

Serie die Finanzkrise: 1. Runde 2. Die Grenzen des Marktes

André Gorz und seine Analyse des Kollaps des Marktes vor seinem Selbstmord 2007