Serie „Die Finanzkrise“ 1. Runde 4. Subprimemarktkrise

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Für die Arbeiter wurde in den USA das Geld immer knapper. Bei General Motors wurden im April 2008 die Löhne von 70 Dollar auf einen Schlag um 80% auf 14 Dollar gekürzt, 9,36 €uro, bald wie in Mexiko. Krankenkosten soll nun die Gewerkschaft zahlen. Dafür bekommt sie Aktien von GM. Im Dezember 2007 schon sanken die Staatseinnahmen von Kalifornien um 40%. 16% der Amerikaner, das sind 47 Millionen Menschen, fast soviel, wie in Italien, mussten damals schon ohne Krankenversicherung leben. Bei der am weitesten in die Finanzkrise verstrickten Großbank Countrywide wurden 12.000 Kollegen auf die Straße gesetzt. Bei Harley-Davidson wurden 5.400 entlassen werden. Ford, Chrysler und GM arbeiten alle mit Milliarden Verlusten, einfach, weil sie Jahrzehnte gewohnt waren, mit billigen Krediten aus aller Welt zu arbeiten, aber damit war abrupt Schluss.


Die amerikanischen Kollegen konnten ihr Häuschen nicht mehr bezahlen. Vor 2007 haben die Banken kaum nach dem Einkommen des Kreditnehmers gefragt und sich danach erkundigt, ob er den Kredit überhaupt zurückzahlen könne. Die Zinsen waren so billig, weil Amerika jeden Tag von der ganzen Welt 2 Milliarden Dollar geliehen bekommen haben. Mit Amerikas Schwierigkeiten wurde das immer weniger.


1,35 Millionen Häuser wurden in 2007 zwangsvollstreckt. 2008 wurden es 1,44 Millionen. Neue Ein-Familien-Häuser wurden kaum mehr gekauft und alle wollten verkaufen. In Detroit wurden Häuser für 100 Dollar angeboten.
Da das Häuschen im Preis sank, sank auch die Sicherheit, die der Schuldner der Bank gegeben hatte. Das beschleunigte das Platzen der billigen Immobilien-Kredite noch mehr. Das bedeutete, dass die Banken mit der Zwangsvollstreckung immer weniger die noch offenen Schulden eintreiben konnten. Eine Bank nach der andere machte pleite, 2009 wurden es über 130, 2010 sind es schon 86 und 200 werden es wahrscheinlich.


Die Subprime-Kredite wurden in ganzen Bündeln auf dem internationalen Finanzmarkt verkauft. Deshalb traf es auch praktisch alle internationalen Banken so hart, dass alle, alle ohne Ausnahme, praktisch pleite sind und nur noch künstlich mit dem hart verdienten Lohn der Lohnabhängigen über deren Steuerzahlungen am Leben erhalten werden.


Die Arbeiter werden dreimal beklaut, dreifach ausgebeutet. Erstens über die Abschreibungen, die letztlich auch vom Arbeiter mit seiner Wertschöpfung erarbeitet wurden. Aber die wurden doch vom Kapitalist oder seiner Bank vorfinanziert, würde der Etablierte widersprechen. Richtig, nur dafür erhält der Kapitalist ja vom Arbeiter wiederum Zinsen, die auch in der Kostenkalkulation mit einberechnet sind. Zweitens wird der Arbeiter noch mal beklaut über die einkalkulierten Gewinne, die er als Käufer ja auch bezahlt bzw. die er zwar erarbeiten muss, er aber nur seine Reproduktionskraft erhält. Und weil das noch nicht genug ist, wird er drittens beklaut, damit seine Steuerzahlungen den Banken für deren riesenhaftes Zockeruniversum nachgeschmissen werden kann.


Einmal gab es in Deutschland für die Banken 500 Milliarden. Wie viel davon schon ausbezahlt wurden, bleibt geheim, pssst. Vorher wurden schon viele Banken mit Milliarden beglückt. Die IKB bekam 45 Milliarden und wurde dann für 3 Millionen privatisiert. Die West-LB, Nord-LB, Bayern-LB, alle bekamen reichlich. Ein Viertel der Commerzbank wurde für 18 Milliarden „gekauft“, die nun für 5 Milliarden die Dresdner Bank kaute. Der Bundesanteil war aber nur eine Milliarde wert.
Das Schönste kommt aber jetzt. Damit die verlorenen 17 Milliarden nicht in Brüssel bei den Schulden nicht erschienen, machte die Merkel-Regierung vom Niederstwertprinzip eine Ausnahme, mit dem der Bundesanteil nur mit einer Milliarde in den Aktiva hätte bewertet werden dürfen, da an der Börse für den Bundesanteil nur eine Milliarde bezahl werden wären. Das aber hätte die öffentlichen Schulden 2009 um 17 Milliarden auf 129,7 erhöht, das wären statt 5,0% schon 5,75%. Stattdessen bewertete man den Anteil mit 18 Milliarden. Man hätte vielleicht einen Dummen finden können, der die 18 Milliarden bezahlt hätte. Also machte man flink extra für Schäuble ausnahmsweise aus dem Niederst- ein Höchstwertprinzip. Da sind die Panzerknacker und Al Capones Buchhalter gar nichts dagegen.


Damit nicht genug. Für die Hypo-Real Estate wurden über 200 Milliarden Schulden bezahlt. Man spricht zwar nur von 100 Mrd., aber auch die tauchen ja nicht auf bei den 112,7 Mrd. öffentlicher Schulden. Die HRE ist nur 5 Millionen wert. Hat man hier vielleicht wie bei der Commerzbank die Schuldenübernahme aktiviert?

Und auch die Deutsche Bank sahnte gut ab. Erst einmal fand sie mit der damals halbstaatlichen IKB, die ihr den Giftmüll abnahm. Der Staat musste dann mit annähernd 50 Milliarden die IKB restaurieren, bevor er sie für 3 Millionen privatisierte. Die 100 oder 200 Milliarden für die HRE gingen auch fast vollständig an die Ackermann-Bank, da die HRE das der DB schuldete. Ebenso verhielt es sich mit einem großen Teil der Griechenland-Hilfe für 125 Milliarden.

Da blickt doch niemand mehr durch, was Schäuble den Banken schon in den Rachen geschmissenen hat. Es ist nicht nur die griechische Regierung, die trickst, indem sie die Schwarzarbeit zum BIP dazu addiert hat, nein, das kann Schäuble besser, und er wird noch nicht einmal dabei erwischt. Er hat den Oscar der Hütchenspieler verdient.


Aber die Amis machen das noch besser, sie bekommen den diamantenen Oscar. Ab 2010 brauchen die Banken faule Kredite nicht mal mehr abschreiben, auch wenn sie nicht mehr eintreibbar sind. Sie können sie als Aktiva wie ein wertvoller Besitz in den Bilanzen stehen bleiben und brauchen dann nur über 10 Jahre verteilt abgeschrieben werden. Sauber.
Und diese Tricksereien laufen in allen Staaten, nur um den Bevölkerungen vorzumachen, dass es alles prima ist, kein Staatsbankrott ansteht, keine Inflation kommt und der Aufschwung nicht gefährdet. Dabei brechen immer wehr Wunden auf, die gerade mal provisorisch geflickt werden. Aber all das bedeutet, dass es beim endgültigen Zusammenbruch noch gewaltiger kommen wird, nicht mehr aufzuhalten ist, dabei wird alles nur noch notdürftig durch Pflästerchen zusammengehalten, das wurde übertüncht. Der G20-Gipfel war doch von Ratlosigkeit geprägt.


Die ganzen buchhalterischen Tricks beweisen ganz klar, dass das Kapital am Ende ist und uns nur etwas vorgaukeln, um das Ende rauszuzögern. Die Trickserei ist doch nichts nachhaltiges, das man nur macht, weil’s danach wieder aufwärts ginge. Die Waren werden doch fast nur noch von Maschinen hergestellt und Maschinen sind keine Käufer. Autos kaufen keine Autos.


In Amerika wurden auch alle Großbanken mit 700 Milliarden für toxische Schrottpapiere vom Staat unterstützt bis auf Lehmans Brothers. Warum die denn gerade nicht, das war aber auch zu durchsichig. Der Mann, der bei Bush das Geld verteilte, hieß Henry Paulson, deshalb hießen die 700 Milliarden vom September 2008 auch Paulsson-Plan, genannt Zitronensozialismus. Von 1999 bis 2006 war er Vorsitzender von Goldman Sachs und ab 2006 unter Bush Finanzminister. So konnte er doch leicht die Ex-Konkurrenz loswerden. War doch easy.

So konnten die Banken gut in dem Paralelluniversum weiter zocken von Deutschland alleine gab es noch einmal 500 Milliarden Euro und 2010 von Brüssel noch einmal 750 Milliaden Euro, zusammen 2 Billionen, die übrigen Länder noch einiges, dann haben wir schon die 3 Billionen, die jeden Tag auf der Suche nach profitablen Anlagemöglichkeiten sind. Sie docken aber immer häufiger im Paralelluniversum bei den CDS an (Credit Default Swap, Kreditausfallversicherung, meist Gegenversicherung ohne Versicherung, also reine Wette). Diese Finanzwirtschaft, genannt  Paralelluniversum, ist 100 mal größer als die reale Wirtschaft.


Ihre Dynamik der Finanzwirtschaft (orangen/gelber Bereich) hat sich längst von der Realwirtschaft (grüner Bereich, links) verselbstständigt und die reale Wirtschaft hatte sich schon immer vom Menschen verselbstständigt. Also die Wirtschaft war im Kapitalismus noch nie für den Menschen da, aber noch erfassbar. Aber seit 1980 entwickelt sich eine Finanzwirtschaft, die mit 5.300 Billionen Euro nicht mehr fassbar ist, in der Stratosphäre sich verflüchtigt hat. Aber die Politiker von Washington bis Berlin gehorchen ihr, der Finanzwirtschaft im Auge des Schwarzen Loches, wo Licht, Zeit und Geld komprimiert ist auf ein Nichtatom. Aber bevor es Dich mit Haut und Haaren verschlungen hat, spuckt es alles wieder in der basisdemokratischen Gesellschaft aus und das Paralelluniversum hat sich auch in die Realwirtschaft verwandelt. Aber vorher musst Du noch auf die Demo gehen.
Norbert Nelte

1.5. ist ein älterer Artikel vom 23.8.2007: Bankenzusammenbrüche
1.6. ist ein Video vom 25.4.2010: „Good bye -Made in Germany-“
1.7. ist der Artikel vom 4.3.2009: „Point of no Return" wird gerade überschritten“ und Video und
1.8. ist dann über die Euro-Krise vom 5.2.2010: „Der Euro vor dem Zerfall“
Wobei das Video 1.8.3. vom 5.5.2010 über den Protest in Griechenland sehr zu empfehlen ist. Hier sieht man, wie der Protest in der Breite sich radikalisiert. 29.6. war ein Generalstreik in Spanien und demnächst in Italien. In Frankreich waren eine Millionen auf der Demo gegen die Rente mit 67. Und wann Du?

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